Ursachen
  die Angst vor der Angst
Mit der "Angst vor der Angst" beginnt sich der Teufelskreis zu drehen

Mit der "Angst vor der Angst" beginnt sich der Teufelskreis zu drehen.

Die genauen Ursachen von Angst- und Zwangserkrankungen sind noch nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass eine genetische Veranlagung und psychische Faktoren beteiligt sind. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Angstpatienten eine angeborene Empfindlichkeit des vegetativen Nervensystems aufweisen. Diskutiert werden übersensible Beta-Rezeptoren oder Fehlfunktionen in der Kommunikation zwischen Thalamus, Amygdala und Hippocampus. Diese Hirnstrukturen befinden sich im limbischen System, dem Zentrum der Emotionen. So verarbeitet der Thalamus äußere Reize und sendet diese ans Großhirn, wo sie ins Bewusstsein eindringen und als gefährlich oder harmlos bewertet werden. Währenddessen haben die so genannten Mandelkerne (Amygdala) aber schon längst ihr Angstprogramm gestartet und die Ausschüttung von Stresshormonen angeregt. Stuft das Bewusstsein den Reiz als ungefährlich ein, wird das Signal an die Mandelkerne weitergeleitet. Dann erst wird die Angstreaktion gestoppt. Dieses Programm läuft sekundenschnell ab, und jeder von uns hat eine solche Schrecksekunde schon einmal erlebt.

Nicht so bei Phobikern. Selbst wenn die Großhirnrinde die Gefahr als gering einstuft, dauert es übermäßig lang, bis die Symptome einer Angstreaktion abklingen. Besonders fatal ist, dass dieses negative Erlebnis im Angstgedächtnis gespeichert wird.

Beim nächsten Mal wird ein ähnlicher Reiz eine erneute Angstattacke auslösen, und zwar nicht, weil der Reiz als gefährlich eingestuft wird, sondern weil der Reiz mit den extrem unangenehmen körperlichen Symptomen verknüpft wurde. Mit der Angst vor der Angst beginnt sich ein Teufelskreis zu drehen.

Neben einer ererbten Neigung zu einer übersensiblen Reaktion können aber auch traumatische Erlebnisse, unverarbeitete Konflikte oder lang andauernder Stress Angstreaktionen und Angsterkrankungen begünstigen. Manche Psychologen führen Phobien auch auf eine im Kindesalter vermittelte ängstliche Grundhaltung zurück. Danach kann das „Angstlernen“ durch die Vorbildfunktion der Eltern gefördert werden, die Angst und Vermeidung vorlebten und überängstlich beispielsweise in Bezug auf Krankheiten waren.

 

 

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Autor: Dr. med. Volker Rust